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Am Rand der Sahara

Bilder von Wüste verfolgen uns. Palmenhaine, Sanddünen, Kamele vor einer tiefstehenden Sonne. Seit einer Woche sind wir nun in Marokko. Inzwischen haben wir Marrakesch erreicht.

Marrakesch. Die rote Stadt. Genügend Geschichte und Geschichten, um ein ganzes Leben hier zu verbringen, um dem Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Mit dem Bus fuhren wir von Casablanca aus hier her und eine verrückte Marokkanerin saß vorn, direkt hinter dem Fahrer. Etwa eine Stunde vor der roten Stadt kam es plötzlich zu einem heftigen Disput zwischen der Frau und einem älteren Mann, der auf der rechten Seite des Busses saß. Die laute Dame warf ihm so einiges an den Kopf, was dieser gackernd erwiderte, konnten wir nicht verstehen. Und verstanden es doch, als der gesamte Bus – die junge Frau ausgenommen – schallend lachte und johlte und seine Aussage für diejenigen wiederholte, die nachfragten, was er gesagt habe. So saßen wir als einzige Fremde im Bus und wenn uns die Blicke der Marokkaner trafen, lächelten wir sie an und sie lachten vielsagend zurück. Es ist eine tolle Kommunikationsform, das Lachen. Wir hatten nichts verstanden, und doch hatten wir alles verstanden. So etwas passiert einem auf Reisen immer wieder und es ist beruhigend, da es zeigt, wie sehr wir uns gleichen.

Marrakesch durchfuhren wir vom Westen aus, entlang eines riesigen Palmenwaldes. Dann die rot getünchten Häuser der Innenstadt und schließlich die Babs, die Eingangstore zur Medina. Am Rande der Medina bezogen wir unseren Riad und hier sitze ich nun auf der Dachterrasse. Rauche. Schreibe. Lasse die Bilderflut der letzten Tage versacken und schreibe sie auf. Von nah das Hupen und Röcheln der Busse, Taxis und zahlreichen Motorroller, die knarrend die Luft verpesten; von fern nervöses Trommeln vom Djemaa el Fna – dem Zentrum Marokkos, dem zentralen Platz Nordwestafrikas. Am ersten Abend gelangen wir durch belebte Mengen direkt dorthin. Die Karbidlampen erhellen die unzähligen Garküchen, vor ihnen stehen Stühle oder Bierzeltbänke mit Tischen. Kaum erheischt mich der Blick einer der Männer, werde ich bereits umworben. „We’re Number 1“ steht am Stand Nummer 1. „No diarrhea since 1978“ steht an Stand Nummer 68. Und so geht es weiter, Stand um Stand mit Tajine, Krauseminztee, Lammfleisch, Hirn auf kleinen Untertellern, Omelett mit dicken Tomatenscheiben in Brot, Linsensuppen, undefinierbaren Fleischstücken am Spieß… und erst die Gerüche. Es riecht streng, würzig, fremdartig – hier beginnt wahrlich Afrika, es ist exotischer als in Fez oder Tanger oder Casablanca, wo wir zuvor waren. An einem der Saftstände trinken wir den besten und frischesten Orangensaft, den man serviert bekommt. Die Schlangenbeschwörer warten auf Kundschaft, ein alter, gebeugter Mann hat eine Schar junger Männer um sich versammelt und zwei dieser Männer zu einem Boxkampf – einem Schaukampf – angeworben. Und überall Menschen, Menschen aller Farben, Klassen und Nationen. Ein Trubel, der durch die nervösen Trommeln weiter verstärkt wird. Das lässt einen nicht los, doch wir wollen fort von dem Trubel und dem Krach, wir suchen die Stille.

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